Der Silberpreis geht derzeit durch die Decke. Aktuell notiert er bei knapp 62 US-Dollar, womit er sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt hat. Für den Anstieg gibt es viele Gründe. Der wichtigste ist wahrscheinlich, dass das Silberangebot mit der stetig steigenden Nachfrage nicht Schritt halten kann. 2025 dürfte das fünfte Jahr in Folge werden, in dem der Silbermarkt unterversorgt ist.
Der Silberpreis ist derzeit kaum aufzuhalten. Ging es im Oktober erstmals seit Jahrzehnten wieder über die runde 50-Dollar-Marke, kletterte der Silberpreis zu Wochenbeginn auch erstmals über die Marke von 60 Dollar. Das Plus seit Jahresanfang ist damit auf mehr als 100 Prozent angewachsen. War in diesem Jahr lange Zeit der Goldpreis der Top-Performer unter den Edelmetallen, ist es derzeit Silber. Unter Edelmetall-Investoren beliebt ist das Gold-Silber-Ratio. Teilt man den Goldpreis durch den Silberpreis, erhält man aktuell den Wert 68. Das heißt, ein Anleger müsste 68 Unzen Silber verkaufen, um eine Unze Gold kaufen zu können. An diesem Verhältnis sieht man am besten die Outperformance von Silber zu Gold in den vergangenen Monaten, denn im April musste ein Anleger für eine Unze Gold noch 105 Unzen Silber aufbringen.
Ähnlich wie Gold wird auch Silber derzeit als „sicherer Hafen“ angesteuert, wenngleich der Sicherheitsaspekt bei einem Silber-Investor nicht an oberster Stelle stehen dürfte. Anders als Gold wird Silber stark von der Industrie nachgefragt, weshalb der Silberpreis auch deutlich stärker auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. Die Silbernachfrage aus der Industrie hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Silber spielt vor allem bei der Stromerzeugung und -übertragung in der Elektromobilität eine wichtige Rolle. Elektrische und elektronische Anwendungen machen laut dem Silver Institute inzwischen bereits fast 70 Prozent der industriellen Silbernachfrage aus, die wiederum für knapp 60 Prozent der gesamten Silbernachfrage steht. Für Rückenwind sorgte daher zuletzt eine Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA), die in den kommenden zehn Jahren einen kräftig steigenden Strombedarf erwartet.
Was Silber noch interessant macht, ist, dass das Angebot nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Laut dem Silver Institute dürfte der Silbermarkt auch 2025 ein Defizit aufweisen, und zwar geschätzt etwa 95 Millionen Unzen. Ausgeklammert wird dabei jedoch die stark schwankende Investmentnachfrage. Nimmt man die Nachfrage der ETFs hinzu, die in diesem Jahr stark angestiegen ist, dürfte das Defizit sogar bei knapp 300 Millionen Unzen liegen. Der Markt wird in diesem Jahr aller Voraussicht nach das fünfte Jahr in Folge unterversorgt sein. Die Unterversorgung hatte im Verlauf des Jahres bereits Auswirkungen, denn es kam wegen Engpässen etwa an der London Metal Exchange (LME) bereits zu Störungen in den Lieferketten.
An der LME, einem der wichtigsten globalen Handelsplätze, sind die Lagerbestände zuletzt deutlich gesunken. Die Knappheit entstand durch eine saisonal höhere Nachfrage aus Indien sowie durch verstärkte Käufe aus den Vereinigten Staaten. Am Markt hält sich hartnäckig die Spekulation, dass Silber schon bald mit Zöllen belegt werden könnte. Der Grund: Die amerikanische Geologiebehörde (USGS) stufte Silber wie Kupfer und Uran im November als kritisches Mineral ein. Um die Versorgung strategischer Rohstoffe zu sichern, könnte die US-Regierung Handelsbeschränkungen oder Zölle ins Auge fassen. Viele US-Unternehmen stocken ihre Silberbestände daher über die Terminbörsen derzeit auf.
Die Silberpreis-Rally setzt sich auch heute dynamisch fort – bei 62,89 US-Dollar erreichte der Preis des Edelmetalls im frühen Handel abermals ein neues Rekordhoch. Wohin die Reise noch gehen kann, ist ungewiss. Der Silbermarkt ist seit Jahren unterversorgt und dürfte dies aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren sein. Weitere Preissteigerungen erscheinen daher nicht nur möglich, sie sind sogar zu erwarten. Kurzfristig liegt jedoch eine deutlich überkaufte Marktphase vor, weshalb es jederzeit zu Gewinnmitnahmen kommen könnte. Wie schnell es dann abwärts gehen kann, zeigte sich bereits im Oktober, als der Silberpreis innerhalb weniger Tage um mehr als 16 Prozent korrigierte. Eine erste signifikante Unterstützung könnte am Oktober-Hoch bei 54,47 Dollar auftauchen. Als verlässliche Stütze könnte sich auch die aktuell bei 51,94 Dollar verlaufende 38-Tage-Linie erweisen. Schwächephasen können durchaus als Einstiegsgelegenheit gesehen werden.




