Selten stand ein Unternehmen so stark im Fokus wie gestern Abend der Chip-Gigant Nvidia. Der Konzern ist der Hauptakteur im möglicherweise größten Boom der jüngeren Vergangenheit – die Rede ist vom Hype um Künstliche Intelligenz (KI). Nur dank der Prozessoren von Nvidia schießen Anwendungen, die auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz zurückgreifen, derzeit wie Pilze aus dem Boden. Wie wichtig die Nvidia-Prozessoren für die gesamte Branche sind, haben die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal von Nvidia gestern Abend einmal mehr eindrucksvoll bewiesen.
Zuletzt kamen erhebliche Zweifel an der hohen Bewertung von Nvidia auf, das jüngst als erstes Unternehmen überhaupt eine Börsenbewertung von mehr als 5 Billionen US-Dollar erreichte. In der Folge rauschte die Aktie um mehr als 15 Prozent in die Tiefe. Dementsprechend wichtig waren die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal, die der Chipkonzern gestern Abend nach US-Börsenschluss publizierte.
Nvidia hat sich in der Branche früh einen Vorsprung verschafft, indem es seine Grafikprozessoren nicht nur für Videospiele, sondern auch für das Training von leistungsstarken KI-Systemen maßgeschneidert hat. Inzwischen stellen auch andere Unternehmen KI-Prozessoren her, doch führt bei der Ausstattung der vielen neuen Rechenzentren nach wie vor kein Weg an Nvidia vorbei. Dies zeigte sich einmal mehr eindrucksvoll an den neuesten Quartalszahlen des Chip-Giganten.
Nvidia erzielte im zurückliegenden Quartal einen Umsatz von 57 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Erwartungen des Marktes waren im Vorfeld sehr hoch, Analysten hatten im Konsens Erlöse in Höhe von 55,2 Milliarden Dollar erwartet. Nvidia konnte die hohen Erwartungen sogar noch übertreffen. Der Reingewinn kletterte um 65 Prozent auf 31,91 Milliarden Dollar. Wichtiger als die Zahlen für das dritte Quartal war jedoch der Ausblick für das laufende Schlussquartal. Marktexperten befürchteten Hinweise auf einen sich abschwächenden Hype um die Nvidia-Prozessoren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Nachfrage nach den KI-Prozessoren von Nvidia ist ungebrochen hoch. Jensen Huang, Chef des größten KI-Giganten, sprach im Anschluss an die Verkündung der Quartalszahlen von „unglaublich“ hohen Verkaufszahlen für die neuen Blackwell-Chips. Huang ergänzte, dass die Prozessoren für Rechenzentren (Cloud-Prozessoren) ausverkauft seien. Dank der vielen neuen Anwendungen und der immer neuen Player in der Branche würde der Bedarf an Rechenleistung laut Huang rasant steigen und sich in den Bereichen Training und Inferenz exponentiell verstärken. Dass Nvidia Umsätze in Höhe von 65 Milliarden Dollar für das Schlussquartal in Aussicht stellte, dürfte den einen oder anderen Skeptiker zumindest bis zur nächsten Berichtssaison im Januar und Februar verstummen lassen.
Die Nvidia-Aktie kletterte erst am 29. Oktober auf ein neues Rekordhoch bei 212,19 US-Dollar. Zweifel an der hohen Bewertung des Konzerns ließen die Aktie zuletzt jedoch um mehr als 15 Prozent auf 178,91 Dollar korrigieren, ehe sie sich stabilisieren konnte. Bereits gestern im regulären Handel gab die Aktie wieder ein Lebenszeichen von sich und rückte um 5,16 US-Dollar oder 2,85 Prozent auf 186,52 Dollar vor. Damit kletterte sie wieder hauchdünn über die aktuell bei 186,37 Dollar verlaufende 50-Tage-Linie, womit sich weiteres Kurspotenzial bis zum Zwischenhoch vom 10. Oktober bei 195,62 Dollar eröffnet hat. Im nachbörslichen Handel kletterte die Aktie bereits um mehr als 10 Dollar oder 5 Prozent auf 196,79 Dollar in die Höhe, womit die Hürde im heutigen Handel bereits genommen werden könnte. Gelingt dies, ist der Weg in Richtung Rekordhoch wieder unverbaut. Die Gefahr eines weiteren Absturzes scheint vorerst gebannt zu sein. Ungemach hätte gedroht, wenn das Zwischentief vom 22. Oktober bei 176,76 Dollar gefallen wäre.




