Der Goldpreis eilt derzeit von einem Rekordhoch zum nächsten. Das Plus seit Jahresanfang beträgt inzwischen knapp 40 Prozent. Die Nachfrage nach dem Edelmetall ist ungebrochen. Und in den USA verdichten sich die Anzeichen für eine baldige Leitzinssenkung, was der Goldpreis-Rally zusätzlichen Rückenwind verleiht.
Es ist erst wenige Tage her, da kletterte der Goldpreis erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 3.500 US-Dollar. Doch auch die runde Marke konnte den Höhenflug des Edelmetalls nicht stoppen – am zurückliegenden Dienstag ging es für den Goldpreis bis auf 3.673 Dollar aufwärts. Damit betrug der Kurszuwachs seit Jahresanfang beeindruckende 40,7 Prozent.
Die Nachfrage nach dem gelblichen Metall scheint nicht nachzulassen. Waren in den Jahren 2023 und 2024 in den weltweiten Gold-ETFs noch Abflüsse zu beobachten, so blicken diese seit Anfang des Jahres auf beeindruckende Zuflüsse in Höhe von beinahe 500 Tonnen Gold. Eine hohe Nachfrage herrscht auch an den Terminbörsen. An der US-Terminbörse COMEX stockten die großen Terminspekulanten ihre Netto-Long-Position seit Mitte Mai von 161.200 auf 249.500 Kontrakte auf, was auf dem Papier einer Goldmenge von rund 274 Tonnen entspricht. Und dann ist da noch das Interesse der Zentralbanken. Zwar sind hier genaue Zahlen schwer zu bekommen, doch erwarten Experten, dass die weltweiten Zentralbanken ihre Goldbestände wie bereits in den Jahren 2022 bis 2024 auch in diesem Jahr um mehr als 1.000 Tonnen aufstocken könnten.
Gründe, warum Gold derzeit so stark nachgefragt wird, gibt es einige. Gold gilt seit Jahrhunderten als sicherer Hafen. Wird es an den Finanzmärkten etwas ungemütlicher, legen sich die Marktteilnehmer zur Absicherung gern etwas Gold ins Depot. Erst im April kam es an den Märkten zu kräftigen Bewegungen, nachdem US-Präsident Donald Trump die Welt mit seiner erratischen Zollpolitik geschockt hatte. Zwar haben sich die Aktienmärkte seither kräftig erholt, doch wurde den Marktteilnehmern bewusst, wie schnell der Wind drehen kann. Und in den vergangenen Tagen und Wochen haben die geopolitischen Risiken weiter zugenommen. Mit dem Drohnen-Vorfall in Polen, dem Angriff auf die Hamas in Katar und dem Regierungssturz in Frankreich ist das Börsenumfeld zuletzt noch etwas unsicherer geworden. Gold dürfte somit als sicherer Hafen auch weiterhin gefragt bleiben.
Rückenwind erhält der Goldpreis aktuell auch von der Aussicht auf baldige Zinssenkungen in den USA. Gold wirft keinerlei Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden ab. Im Vergleich zu festverzinslichen Anlagealternativen hat Gold somit einen gewissen Nachteil. Doch sinken die Zinsen, sinken in der Regel auch die Renditen festverzinslicher Anlagen. Eine Investition in Gold wird dann attraktiver, da der Nachteil gegenüber diesen Anlagen kleiner wird.
Lange Zeit entwickelte sich der US-Arbeitsmarkt überaus robust, weshalb es für die US-Notenbank keinen Grund gab, die Zinsen zu senken, zumal die Inflation wieder anzog. Doch inzwischen zeigt der US-Arbeitsmarkt Anzeichen von Schwäche. Vor allem der jüngste Jobreport fiel überraschend schwach aus. Die US-Wirtschaft schuf im August lediglich 22.000 neue Stellen – der Markt hatte die Schaffung von 75.000 Jobs erwartet, nachdem im Vormonat zunächst ein Beschäftigungswachstum von 73.000 Stellen gemeldet worden war. Die Zahlen für Juli wurden zwar um 6.000 Stellen auf 79.000 nach oben korrigiert, doch revidierten die Statistiker auch die Zahl für den Juni – und zwar erneut deutlich nach unten. Demnach wurden nicht wie bislang angenommen 14.000 Jobs geschaffen, sondern stattdessen 13.000 abgebaut – der erste Negativwert in der Post-Covid-Ära. Zudem war das Beschäftigungswachstum in den zwölf Monaten bis zum März 2025 weit weniger robust als zuvor berichtet. Konkret ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Zeitraum voraussichtlich um 911.000 oder knapp 76.000 pro Monat geringer gewachsen als bisher bekannt.
Am Markt wird eine Zinssenkung auf der kommenden US-Notenbank-Sitzung am 17. September inzwischen zu 100 Prozent eingepreist. Bis zum Jahresende erwartet der Markt sogar wieder Zinssenkungen um insgesamt 75 Basispunkte. Weitere Zinssenkungen um insgesamt 75 Basispunkte könnten den Erwartungen zufolge im Jahr 2026 folgen. Die Renditen festverzinslicher Anlageformen dürften somit in der Regel ebenfalls deutlich sinken, was dem Goldpreis helfen sollte.
Charttechnisch ist der Goldpreis gerade erst über das April-Hoch bei 3.499 US-Dollar ausgebrochen, womit ein neues Kaufsignal generiert wurde. Wohin die Reise noch gehen kann, ist schwer zu sagen. Einige Analysten haben ihre Goldpreis-Prognosen zuletzt jedoch angehoben. Sogar renommierte Analystenhäuser können sich in den kommenden Monaten durchaus höhere Goldpreis-Notierungen vorstellen. Allerdings liegt aktuell eine deutlich überkaufte Marktphase vor, die die Aufwärtsdynamik zumindest kurzfristig bremsen könnte. Kommt es zu Gewinnmitnahmen, könnten das April-Hoch bei 3.499 Dollar und die Unterstützungszone zwischen 3.446 und 3.424 Dollar in den Fokus rücken.



