Der Tourismus boomt, wovon auch der weltgrößte Reisekonzern TUI profitiert. So profitabel wie im vergangenen Quartal waren die Hannoveraner seit zehn Jahren nicht mehr. Das Sommergeschäft entwickelt sich bisher zwar schleppend, doch hinderte dies den Reisekonzern nicht daran, seine Jahresprognose beim Gewinn zu erhöhen. Die Aktie hat wieder Kontakt zu ihrem 2-Jahres-Hoch aufgenommen.
Nach Jahren der Unsicherheit und eingeschränkter Mobilität ist die Reiselust der Deutschen so groß wie lange nicht mehr. Ob spontane Wochenendtrips, klassische Sommerurlaube oder Fernreisen – die Nachfrage nach Urlaubserlebnissen im In- und Ausland steigt kontinuierlich. Laut aktuellen Statistiken liegen die Buchungszahlen nicht nur über dem Vorjahr, sondern vielerorts sogar über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Dabei zieht es die Menschen sowohl in heimische Urlaubsregionen als auch vermehrt zu internationalen Zielen, angetrieben von dem Wunsch nach Erholung, Abwechslung und unvergesslichen Momenten. Dieser Trend belebt nicht nur die Tourismusbranche, sondern prägt auch neue Reiseformen und -gewohnheiten.
Dies alles bekommt auch der weltgrößte Reisekonzern TUI zu spüren. Von April bis Juni – bei TUI das dritte Quartal des Geschäftsjahrs 2024/25 – steigerten die Hannoveraner ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) stieg im Jahresvergleich sogar um 38 Prozent auf 321 Millionen Euro, womit der Konzern sein bestes Q3-Ergebnis seit dem Zusammenschluss von TUI AG und TUI Travel PLC im Jahr 2014 erzielte. Ein Grund für die starken Ergebnisse war das Ostergeschäft, das sich in diesem Jahr in das dritte Quartal verschoben hat. Besonders erfreulich entwickelte sich das Kreuzfahrt-Geschäft. Hier steigerte der Reisekonzern sein bereinigtes Betriebsergebnis um 56,2 Prozent auf 142,7 Millionen Euro. Dies lag unter anderem auch an zwei neuen Schiffen, die zur bisherigen Flotte von 16 Schiffen hinzukamen.
Das laufende vierte Quartal verläuft bisher zwar schleppend – bis Mitte August gingen 2 Prozent weniger Buchungen ein als im vergangenen Jahr –, doch sprach der Reiseveranstalter hier von „einem anhaltenden Trend zu späteren Buchungen“ und verwies auf das heiße Wetter im Juni und Juli in den Urlaubsregionen sowie auf den Konflikt im Nahen und Mittleren Osten. Dies hinderte den Reisekonzern jedoch nicht daran, seine Ziele für das Gesamtjahr beim um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes EBIT) zu erhöhen – Wechselkurseffekte ausgeklammert wird nun ein Anstieg um 9 bis 11 Prozent erwartet, nach bisher 7 bis 10 Prozent.
An der Börse kamen sowohl die starken Zahlen als auch der optimistischere Ausblick gut an – die Aktie schoss am Mittwoch um mehr als 8 Prozent auf 8,56 Euro nach oben. Und heute im frühen Handel geht es um weitere 0,29 Euro oder 3,41 Prozent auf 8,85 Euro nach oben. Damit ist das Hoch vom 12. Dezember bei 8,88 Euro, das zugleich ein 2-Jahres-Hoch markiert, in greifbare Nähe gerückt. Kann es überquert werden, eröffnet sich erhebliches Aufwärtspotenzial bis zum Hoch vom Januar 2023 bei 12,26 Euro. Kurzfristig liegt jedoch eine überkaufte Marktphase vor. Kommt es zu Gewinnmitnahmen, könnte durchaus noch einmal bis auf das Juli-Hoch bei 8,21 Euro abwärts gehen.




