Die RWE-Aktie bereitet den Anlegern in diesem Jahr große Freude – das Plus seit Jahresanfang beträgt bereits mehr als 60 Prozent. Nur fünf Werte im deutschen Leitindex DAX schneiden seit Jahresbeginn noch besser ab. Die gestern vorgelegten 9-Monats-Zahlen hat der Markt mehr als freundlich aufgenommen, auch wenn der Versorger nicht in allen Bereichen überzeugen konnte.
Die Versorger wurden an den Börsen in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt. Die Wachstumsraten waren in der Vergangenheit eher gering, dafür aber konstant. Dennoch trieb es die Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren eher in spekulativere Alternativen wie etwa Technologietitel, allen voran in Titel, die Geschäfte mit Künstlicher Intelligenz (KI) machen. Doch KI funktioniert nur über Rechenleistung. Und die Konzerne investieren gerade Hunderte von Milliarden US-Dollar in Rechenzentrumskapazitäten. Diese Rechenzentren benötigen neben der Hardware jedoch auch Unmengen an Strom, um betrieben zu werden. Die Börse hat dies in den vergangenen Monaten erkannt, was die Aktienkurse der Stromerzeuger in die Höhe schnellen ließ.
Während irgendwann weniger neue Rechenzentren gebaut werden, was die Nachfrage nach Hardware stark bremsen dürfte, werden die bis dahin gebauten Rechenzentren weiterhin Unmengen an Strom verbrauchen, was die Stromerzeuger auch auf längere Sicht interessant macht.
RWE-Chef Michael Müller wies gestern bei der Vorlage der 9-Monats-Zahlen des Versorgers explizit darauf hin, dass der KI-Boom weltweit die Stromnachfrage in die Höhe treibt – und damit die Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Der Konzern arbeitet bereits an rund zehn Rechenzentrum-Projekten mit einer geschätzten Bewertung von etwa 1 Million Euro je Megawatt. Und der Ausbau der Kapazitäten hält an – in den ersten neun Monaten tätigte RWE Bruttoinvestitionen in Höhe von 7,78 Milliarden Euro und damit nochmals mehr als im Vorjahreszeitraum.
Doch die Versorger haben derzeit auch mit Problemen zu kämpfen, etwa mit einer schwächeren Windausbeute und der Normalisierung im Stromhandel. Im Segment Offshore Wind musste RWE in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres gegenüber dem Vorjahr daher einen Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns (bereinigtes EBITDA) von 15 Prozent auf 915 Millionen Euro hinnehmen.
Besser lief es im Segment Onshore Wind/Solar. Die schwächere Windausbeute konnte hier durch höhere Strompreise in den USA ausgeglichen werden. Zudem wurden neue Erzeugungskapazitäten in Betrieb genommen. Das bereinigte EBITDA stieg hier im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro.
Wie erwartet schwach entwickelten sich dagegen die Segmente Flexible Erzeugung und Energiehandel. Eine zentrale Rolle spielte dabei, dass RWE aufgrund der Marktpreisentwicklung niedrigere Margen aus Stromterminverkäufen erzielte.
Insgesamt sank das bereinigte EBITDA aller Segmente im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 13 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro. Der Markt hatte hier jedoch Schlimmeres erwartet. Abgemildert werden konnte der Gewinnrückgang durch den Verkauf eines Entwicklungsprojekts für ein Rechenzentrum an einem ehemaligen britischen Kohlekraftwerksstandort für 225 Millionen Euro.
An der Prognose für das Gesamtjahr hielt der Konzern fest und erwartet weiterhin ein bereinigtes EBITDA zwischen 4,55 Milliarden und 5,15 Milliarden Euro, was signifikant unter dem Vorjahreswert von 5,68 Milliarden Euro liegen wird. Der Markt hatte sogar eine Senkung der Prognosen befürchtet, weshalb er auf die Zahlen mit einem kräftigen Kursfeuerwerk reagierte – die Aktie stürmte gestern um 3,92 Euro oder 9,13 Prozent auf 46,86 Euro nach oben.
Der Technologiekonzern ist fulminant in das neue Geschäftsjahr 2022/23 gestartet. Die Umsätze kletterten von Oktober bis Dezember (bei Siemens das erste Quartal) im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 18,07 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 9 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 2,69 Milliarden Euro. Die durchschnittlichen Analystenerwartungen wurden damit deutlich übertroffen.
Besonders erfreulich liefen die Geschäfte in der Industrieautomatisierungs-Sparte Digital Industries und der Infrastruktur- und Gebäudetechnik-Sparte Smart Infrastructure, wo jeweils ein prozentual zweistelliges Wachstum erzielt werden konnte.
Siemens kann weiterhin auf einen starken Auftragseingang bauen, der im ersten Quartal in allen Geschäftsbereichen klar über den jeweiligen Umsatzerlösen lag. Damit sieht sich der Konzern für den Rest des Jahres bestens aufgestellt und erhöhte im Anschluss an die Bilanzvorlage seine Prognosen für das Gesamtjahr. Statt eines Umsatzwachstums von 6 bis 9 Prozent erwartet Siemens nun ein Wachstum zwischen 7 und 10 Prozent. Garant für das Erreichen der höheren Umsatzziele soll das Aushängeschild von Siemens, Digital Industries, sein, für das der Konzern nun ein Umsatzwachstum zwischen 12 und 15 Prozent (bisher 10 bis 13 Prozent) und einer Marge von 20 bis 22 Prozent (bisher 19 Prozent) in Aussicht stellte.
Mit dem gestrigen Kursfeuerwerk gelang der Aktie der Sprung über das Hoch vom Mai 2022 bei 43,97 Euro, das bis dato ein 14-Jahres-Hoch markiert hatte. Die RWE-Aktie kletterte im Anschluss sogar bis auf 46,95 Euro nach oben, wo nun die neue 14-Jahres-Bestmarke liegt. Heute im frühen Donnerstagshandel kommt es zu leichten Gewinnmitnahmen. Um auf der Oberseite die nächste charttechnische Hürde zu finden, muss man schon lange zurückblicken, genauer gesagt bis April 2011 bei 47,44 Euro. Allerdings befand sich die Aktie damals inmitten einer scharfen Korrektur. Im Januar 2011 notierte die Aktie noch bei 55,87 Euro. Ein Niveau, dass in einem freundlichen Marktumfeld durchaus wieder erreicht werden könnte.




