Die KI-Euphorie drohte in den vergangenen Wochen an den Börsen etwas nachzulassen. Die hohen Investitionen der Unternehmen schreckten viele Marktteilnehmer ab. Einige Analysten befürchteten, dass die hohen Investitionen nicht in adäquate Umsatzsteigerungen münden könnten. Einen Teil der Zweifel konnte in dieser Woche der Facebook-Mutterkonzern Meta Platforms beseitigen. Der neue KI-Assistent Meta Muse ließ die KI-Euphorie wieder kräftig aufleben.
Meta Platforms befindet sich aktuell in einer Phase des tiefgreifenden Umbaus. Während Facebook, Instagram und WhatsApp weiterhin das finanzielle Fundament bilden, versucht Konzernchef Mark Zuckerberg, mit massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) eine neue Wachstumsplattform aufzubauen.
Interessant ist vor diesem Hintergrund vor allem der neu entwickelte KI-Assistent Muse, den Meta am 8. September gestartet hat. Meta Muse soll nicht nur Fragen beantworten, sondern beispielsweise auch E-Mails verschicken, Formulare ausfüllen, Reisen buchen oder Transaktionen selbstständig durchführen. Der neue KI-Assistent ist zunächst kostenlos, wobei zusätzliche Funktionen über Abonnements angeboten werden. Die Resonanz des neuen KI-Assistenten war bemerkenswert – in den ersten zwölf Tagen soll die App in den US-App-Stores rund 2,8 Millionen Mal heruntergeladen worden sein, womit die App an den KI-Assistenten von OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) vorbei auf Platz 1 der Charts stürmte. Der starke Anklang hat den Markt überrascht und die Fantasie über eine künftige Monetarisierung deutlich verstärkt. Analysten sehen in der neuen Platform bereits einen neuen Umsatzkanal neben der klassischen Werbung.
Zuletzt hatte es am Markt durchaus Zweifel gegeben. Meta steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal auf Jahressicht um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer der Apps erreichte 3,60 Milliarden. Dies wirkte sich positive auf das wichtige Werbegeschäft auf – die Zahl der Werbeanzeigen stieg um 14 Prozent, der durchschnittliche Preis pro Anzeige kletterte um 12 Prozent. Doch vielen Anlegern schlugen die explodierenden Kosten auf den Magen. Die KI-Offensive ließ die Kosten im zweiten Quartal um 55 Prozent steigen. Allein die Investitionen in Sachanlagen und Rechenzentren beliefen sich auf 31,1 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern sogar Investitionen in Höhe von 130 bis 145 Milliarden Dollar. Die Krux an der Sache: Das operative Ergebnis sank um 8 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar.
Mit dem Erfolg des neuen KI-Assistenten könnte sich für Anleger eine neue Situation ergeben. Die kurzfristige Chance könnte weniger im klassischen Werbegeschäft – das bereits stark wächst – liegen, sondern eher in einer möglichen Neubewertung der KI-Investitionen. Sollte Muse dauerhaft hohe Nutzerzahlen erreichen und Meta daraus Abonnements, Commerce-Transaktionen oder neue Werbeformen entwickeln, könnte sich ein zusätzlicher Wachstumsmotor eröffnen. Der Markt preiste aber schon einen Teil der neuen Fantasie ein, als er die Aktie am Montag um mehr als 11 Prozent in die Höhe schnellen ließ.
Die Meta-Aktie stürmte gestern bei 757,27 US-Dollar auf ein neues Jahreshoch nach oben. Allerdings konnte sich die Aktie nicht auf diesem Niveau halten. Aus charttechnischer Sicht wichtig wäre zunächst das nachhaltige Überqueren des Januar-Hochs bei 744,00 Dollar, womit der Weg in Richtung Rekordhoch vom August 2025 bei 795,46 Dollar nahezu unverbaut wäre. Auf der Unterseite sollten die Hochpunkte vom April bei 691,52 Dollar und Juli bei 686,08 Dollar zunächst für Halt sorgen.