Lange Zeit kannte die Intel-Aktie nur eine Richtung: nach unten. Näherte sich das Papier des einstigen Chip-Riesen seinem Rekordhoch aus dem Jahr 2000 bei 75,81 US-Dollar während der Corona-Pandemie noch bis auf wenige Dollar an, ging es im April dieses Jahres bis auf ein 14-Jahres-Tief bei 17,67 Dollar abwärts. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren wichtige Megatrends verschlafen und hinkte der Konkurrenz meilenweit hinterher. Doch in den vergangenen Wochen ist einiges geschehen. Die Aktie hat sich von ihrem Jahrestief inzwischen um mehr als 76 Prozent entfernt. Hat der Konzern die Kurve bekommen und ist die Aktie wieder ein Kauf?
Jahrzehntelang galt der US-Chipkonzern Intel als Synonym für die Halbleiterindustrie. In fast jedem Laptop oder PC arbeitete ein Intel-Prozessor. Doch der einstige Chip-Riese hat in den vergangenen Jahren wichtige Trends verschlafen und in einigen Bereichen heftige Marktanteile an die Konkurrenz verloren. Auch der iPhone-Konzern Apple verbaute lange Zeit Intel-Prozessoren in seinen Mac-Laptops und -Desktops, ehe er 2020 auf eigene Prozessoren umstellte. Vor allem das Geschäft mit Chips für Künstliche Intelligenz (KI) hat Intel verschlafen – hier eroberte der Grafikkarten-Spezialist NVIDIA eine Spitzenposition. Hinzu gesellten sich zuletzt Probleme bei der Prozessor-Fertigung, was die Intel-Aktie Anfang April auf ein 14-Jahres-Tief bei 17,67 US-Dollar abstürzen ließ. Der Konzern geriet in den vergangenen Jahren auch finanziell in Schieflage, weshalb er den bereits im September 2024 auf Eis gelegten Bau einer Megafabrik in Magdeburg im Juli dieses Jahres endgültig absagte.
Doch in den vergangenen Wochen ist einiges passiert beim Chip-Konzern. Zunächst stieg die US-Regierung bei Intel ein und erwarb einen 9,9-prozentigen Anteil. Die US-Regierung überwies eigenen Angaben zufolge 5,7 Milliarden US-Dollar an Intel, nachdem sie dem Konzern zuvor bereits mit 2 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen hatte. Mit dem Einstieg wollte die US-Regierung Intel einen Anreiz geben, die Kontrolle über sein Auftragsfertigungsgeschäft (Foundry) zu behalten.
Wenige Tage später sorgte Intel für den nächsten Hammer und verkündete, dass auch der KI-Gigant NVIDIA bei Intel einsteigen möchte. NVIDIA kaufte Intel-Aktien zu 23,28 Dollar das Stück im Wert von 5 Milliarden Dollar. Doch anders als die US-Regierung ist NVIDIA bei Intel nicht nur eingestiegen. Beide Unternehmen planen zudem die gemeinsame Entwicklung von Chips für PCs und Rechenzentren. „Gemeinsam werden wir unsere Ökosysteme erweitern und den Grundstein für die nächste Ära des Computings legen“, erklärte NVIDIA-Chef Jensen Huang zum Deal. Die Intel-Aktie sprang im Anschluss um mehr als 22 Prozent nach oben.
Gestern ging es für das Intel-Papier dann um weitere 6,4 Prozent aufwärts, nachdem bekannt wurde, dass Intel auch mit Apple über eine Investition und Partnerschaft verhandele. Die Gespräche befinden sich einem Medienbericht zufolge jedoch noch in einem sehr frühen Stadium. Für Apple könnte ein erneutes Engagement bei Intel vor allem ein strategischer Schritt sein, um seine Abhängigkeit vom taiwanischen Chipfertiger TSMC zu verringern. Angesichts geopolitischer Spannungen in der Region wäre dies ein entscheidender Faktor. Zudem könnte eine Investition in den USA auch für Apple politisch vorteilhaft sein. Der Konzern hat sich verpflichtet, in den kommenden vier Jahren rund 600 Milliarden US-Dollar in inländische Initiativen zu investieren.
Bisher ist nur Geld geflossen. Geld, das Intel jedoch dringend benötigt. Für Intel ist die Unterstützung durch den wertvollsten Chip-Konzern der Welt – NVIDIA – zudem ein wichtiger Erfolg nach jahrelangen erfolglosen Sanierungsversuchen. Kern der technischen Zusammenarbeit soll eine NVIDIA-Technologie sein, die es gemeinsam entwickelten Chips ermöglicht, schneller als bisher untereinander zu kommunizieren. Dies ist für den Betrieb von KI besonders wichtig, da hierbei große Datenmengen verarbeitet werden müssen. Wann die ersten gemeinsamen Produkte auf den Markt kommen sollen, ließen die Konzerne offen.
Die Intel-Aktie ist zuletzt kräftig gestiegen und hat sich von ihrem Jahrestief vom 8. April bei 17,67 US-Dollar bereits um 76,6 Prozent distanziert. Der Markt hat somit bereits sehr viele Vorschusslorbeeren verteilt. Mit der US-Regierung und dem größten Konzern der Welt im Rücken könnte Intel der Turnaround gelingen. Kommt dann auch noch Apple ins Boot, würden die Turnaround-Chancen weiter steigen. Ein mögliches Anlaufziel könnte zumindest kurzfristig das Zwischenhoch vom Juli 2024 bei 37,16 Dollar sein. Tragen die jüngsten Deals Früchte, könnte mittelfristig auch das Hoch aus dem Jahr 2023 bei 51,28 Dollar wieder ein Thema werden. War der Markt hingegen zu euphorisch und nimmt erst einmal wieder Gewinne mit, könnte das Februar-Hoch bei 27,55 Dollar noch einmal angesteuert werden.




