Der Pharma- und Agrarchemie-Konzern Bayer fiel in der jüngeren Vergangenheit hauptsächlich durch negative Schlagzeilen auf. Der Wert, einst Schwergewicht im deutschen Leitindex DAX, ist an der Börse in den vergangenen Jahren regelrecht abgestürzt. Doch die Zeichen stehen auf Besserung. Die Aktie gehört in diesem Jahr bereits zu den Top-Performern im DAX. Überraschen konnte der Konzern kürzlich mit positiven Studiendaten für seinen Gerinnungshemmer Asundexian.
Bayer hat schwere Zeiten hinter sich. Wegen Rechtsstreitigkeiten rund um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup hat der Pharma- und Agrarchemie-Konzern in den vergangenen Jahren bereits Milliardenbeträge zur Beilegung von Tausenden von Klagen gezahlt. Das Thema ist noch nicht durch – für weitere Klagen hat der Konzern seine Rückstellungen zuletzt auf 7,8 Milliarden Euro erhöht. Der Bayer-Vorstand gibt sich unverändert zuversichtlich, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen.
Die jüngsten Geschäftszahlen von Bayer waren bereits recht ermutigend. Der Umsatz fiel im dritten Quartal im Jahresvergleich um gut 3 Prozent auf 9,66 Milliarden Euro. Negative Wechselkurs- und Portfolioeffekte ausgeklammert, ergab sich hingegen ein kleines Plus von 0,9 Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis im Tagesgeschäft (EBITDA) legte auch dank des laufenden Sparprogramms um 20,8 Prozent auf 1,51 Milliarden Euro zu, womit die durchschnittlichen Analystenerwartungen übertroffen wurden. Wegen der Erhöhung der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten fiel unter dem Strich jedoch ein Verlust von fast einer Milliarde Euro an. Vor einem Jahr war das Minus wegen hoher Firmenwertabschreibungen auf das Agrargeschäft allerdings mehr als viermal so hoch. Der Markt reagierte freundlich auf die Zahlen.
Lange Zeit war nicht klar, ob Bayer wegen der durch die Glyphosat-Klagen in Schieflage geratenen Agrarsparte jemals zurück in die Spur finden wird, zumal auch die Pharmasparte Sorgen bereitete. Unklar ist, ob die Pipeline stark genug ist, um künftige Patentabläufe zu kompensieren. Vor wenigen Tagen sorgte Bayer hier jedoch für eine gewaltige Überraschung. Neue Zuversicht versprühte der Wirkstoff Asundexian, der als potenzieller Nachfolger des Umsatzgaranten Xarelto gehandelt wird. In der entscheidenden Phase-III-Studie lieferte das Mittel genau das, was der Markt sehen wollte: Es senkte das Risiko für Schlaganfälle signifikant, ohne dabei die Rate schwerer Blutungen im Vergleich zu Placebos zu erhöhen. Die primären Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkte seien damit erreicht worden, sagte der Konzern nach Veröffentlichung der Studienergebnisse. Asundexian wurde den Angaben zufolge von der US-Gesundheitsbehörde FDA (Federal Drug Administration) bereits der Fast-Track-Status als potenzielle Behandlung zur Schlaganfallprävention bei Patienten nach einem nicht-kardioembolischen ischämischen Schlaganfall erteilt. Mit einem solchen Status ist eine beschleunigte Zulassung für vielversprechende Arzneien möglich. Analysten sprachen im Anschluss von einer positiven Überraschung und trauen dem Mittel Blockbuster-Potenzial zu – also Jahreserlöse von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Studienergebnisse würden Anlass zur Hoffnung geben, dass Bayer das Schlimmste hinter sich haben und sich in eine positive Richtung entwickeln könnte, hieß es von mehreren Seiten.
Nach der Bilanzvorlage kletterte die Aktie bereits bis auf 29,96 Euro nach oben und erreichte damit ein neues Jahreshoch. Der Sprung über die runde 30-Euro-Marke gelang zunächst jedoch nicht. Dies gelang erst nach Veröffentlichung der Studienergebnisse mit Asundexian. Die Aktie sprang in der Spitze bis auf 31,44 Euro nach oben – das höchste Niveau seit Januar 2024. Das Hoch vom Oktober 2024 bei 31,03 Euro konnte kurzfristig überquert werden, doch notiert die Aktie aktuell leicht darunter. Kann die Hürde jedoch nachhaltig gemeistert werden, eröffnet sich weiteres Erholungspotenzial bis zum Zwischenhoch vom 8. Januar 2024 bei 36,09 Euro. Danach könnte das Tief aus dem Jahr 2020 bei 39,91 Euro angesteuert werden. Auf der Unterseite sollte die aktuell bei 27,75 Euro verlaufende 38-Tage-Linie für Halt sorgen.




