AMD hat jüngst eindrucksvoll untermauert, dass es bei Prozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) klar die Nummer 2 hinter Platzhirsch NVIDIA ist. Der Halbleiterkonzern fuhr im abgelaufenen Geschäftsquartal einen Rekordumsatz ein und konnte die Analystenerwartungen klar schlagen. Zwar war auch die Prognose für das laufende Quartal beeindruckend, doch störte den Markt die ungewissen China-Zukunft, weshalb die Aktie etwas unter Druck geriet. Hier bietet sich möglicherweise eine interessante Einstiegsgelegenheit.
Geht es um das Thema Künstliche Intelligenz (KI), führt an dem Chip-Konzern NVIDIA kein Weg vorbei. Mit einer Marktkapitalisierung von 4,38 Billionen US-Dollar ist NVIDIA inzwischen sogar zum größten börsennotierten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Advanced Micro Devices – kurz AMD – als Konkurrent und Nummer 2 im Markt für KI-Prozessoren wirkt mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 265 Milliarden Dollar dagegen fast schon winzig. Doch so groß der Abstand zwischen beiden Konzernen fundamental auch sein mag, technologisch ist AMD nicht allzu weit weg. Hoffnungsträger ist die neue Instinct-MI350-Serie, deren Chips laut der Großbank HSBC vergleichbare Leistungen wie NVIDIAs Flaggschiff B200 erreichen könnten, dabei aber günstiger wären.
Die Geschäfte von AMD laufen derzeit ausgesprochen gut. Im abgelaufenen zweiten Quartal steigerte der Chip-Konzern seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 7,69 Milliarden US-Dollar, was nicht nur ein neuer Unternehmensrekord war, sondern auch die durchschnittlichen Analystenerwartungen deutlich übertroffen hat. Der Nettogewinn hat sich auf 872 Millionen Dollar sogar mehr als verdreifacht. Doch obwohl die durchschnittlichen Analystenerwartungen beim Umsatz deutlich übertroffen wurden, reagierte der Markt leicht enttäuscht. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Zwar überzeugten sowohl der Bereich Client & Gaming, wo der Umsatz um 69 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar stieg, als auch das Rechenzentrumssegment, das um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zulegte, doch blieb die Nachfrage nach den wichtigen KI-Chips der Instinct-Serie etwas hinter den Erwartungen zurück. Das Problem war ein schwaches beziehungsweise nahezu nicht vorhandenes China-Geschäft. Die US-Regierung hatte im Zollstreit mit China im April den Export von US-Technologie nach China untersagt. Der für den chinesischen Markt konzipierte Instinct-MI308-Chips durfte nicht mehr ausgeliefert werden, was AMD nach eigenen Angaben im zweiten Quartal rund 800 Millionen Dollar kostete. Kürzlich hat US-Präsident Donald Trump die Exportbeschränkungen jedoch gelockert und die Auslieferung von High-Tech aus den USA nach China in Aussicht gestellt, doch wurde konkret noch nichts beschlossen. AMD hat in seinen Prognosen für das dritte Quartal daher keine China-Umsätze berücksichtigt. Und obwohl die AMD-Prognosen für den Umsatz mit 8,7 Milliarden Dollar deutlich oberhalb der Markterwartungen lagen, schickte der Markt die AMD-Aktie im Anschluss um etwas mehr als 6 Prozent in den Keller. Selbst die Aussage von Konzernchefin Lisa Su, langfristig das KI-Geschäft auf „mehrere 10 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz“ ausbauen zu wollen, konnte den Markt zumindest gestern nicht besänftigen.
US-Präsident Donald Trump hat die Zusage gegeben, die US-Exportbeschränkungen nach China zu lockern. Nur deshalb hat er von China die Zusage erhalten, mehr seltene Erden aus China zu erhalten. Sollte Trump seine Meinung hier wieder ändern, dürfte dies auch China tun. Daher ist es etwas wahrscheinlicher, dass NVIDIA und AMD künftig neue Lizenzen erhalten, um wieder KI-Chips an China verkaufen zu dürfen, was vor allem das Geschäft von AMD merklich anschieben dürfte.
Die AMD-Aktie hat jüngst bei 182,50 US-Dollar ein neues Jahreshoch erreicht, ehe leichte Gewinnmitnahmen einsetzten. Mit der Zahlenvorlage kam nochmals leichter Verkaufsdruck auf. In einem schwachen Marktumfeld besteht durchaus Abwärtspotenzial bis zum Zwischentief vom 22. Juli bei 149,34 Dollar. Auch der aktuell bei 141,38 Dollar verlaufende 50-Tage-Durchschnitt könnte in einem schwachen Marktumfeld noch einmal ein Thema werden. Erhalten AMD und NVIDIA neue China-Lizenzen, könnte die Rally jedoch ihre Fortsetzung finden. Wird das Jahreshoch überquert, dürfte das Zwischenhoch vom Juli 2024 bei 187,28 Dollar angesteuert werden, ehe das Rekordhoch aus dem Jahr 2024 bei 227,30 Dollar in den Fokus rücken könnte.




